Meldung · Insolvenzen

Insolvenzen von Kapitalgesellschaften binnen eines Jahres um 23,5 Prozent gestiegen

Das Gastgewerbe trägt die höchste Quote, Unternehmergesellschaften verzeichnen den stärksten Anstieg. Gesellschaften mit Prokura und mehrköpfiger Leitung sind deutlich seltener betroffen.

Von der Redaktion hdhgroup Research ·

+23,5 %: Insolvenzfälle von Juli 2025 bis Juni 2026 gegenüber dem Vorjahreszeitraum
Quelle: hdhgroup Research, Insolvenz und Abwicklung deutscher Gesellschaften, Stand 23. Oktober 2026.

Die Zahl der Insolvenzen deutscher Kapitalgesellschaften ist binnen eines Jahres um 23,5 Prozent gestiegen. Von Juli 2025 bis Juni 2026 wurden 9.301 Fälle verzeichnet, nach 7.533 im Vorjahreszeitraum. Auf tausend Gesellschaften kamen 8,6 Insolvenzen. Das ergibt eine Auswertung von hdhgroup Research auf dem vollständigen Bestand deutscher Kapitalgesellschaften.

Die Dynamik hat sich im Verlauf noch verstärkt. Im zweiten Quartal 2026 wurden 2.667 Fälle gezählt, im zweiten Quartal 2025 waren es 2.043.

Gastgewerbe mit der höchsten Quote

Am stärksten betroffen ist das Gastgewerbe mit 24,2 Insolvenzen je tausend Gesellschaften, ein Anstieg um 55,2 Prozent. Es folgen Verkehr und Lagerei (17,4) und Sonstige wirtschaftliche Dienste (14,5). In der feineren Gliederung stehen Wach- und Sicherheitsdienste sowie Detekteien (25,5) und Gastronomie (25,1) an der Spitze. Unter den Ländern weist Berlin mit 10,0 die höchste Quote auf, Hamburg mit 6,1 die niedrigste.

Unternehmergesellschaften und Einzelleitungen besonders gefährdet

Unternehmergesellschaften verzeichnen mit 43,8 Prozent den stärksten Anstieg unter den Rechtsformen; ihre Quote liegt mit 10,3 über der von Gesellschaften mit beschränkter Haftung (8,6). Deutlich unterscheiden sich die Gesellschaften nach ihrer Führung. Wird eine Gesellschaft von einer einzigen Person geleitet, liegt die Quote bei 9,4, bei drei und mehr Personen bei 3,5. Gesellschaften mit Prokura kommen auf 3,0, solche ohne auf 8,7.

Insolvenzen treffen vor allem junge Gesellschaften. Die Hälfte der betroffenen Gesellschaften bestand weniger als 8,1 Jahre. Hinzu kommen 77.569 Gesellschaften, die sich ohne Insolvenz in Abwicklung befinden; der stille Rückzug aus dem Markt ist damit weit häufiger als das Insolvenzverfahren.

Methode

Gezählt ist je Gesellschaft der jüngste Insolvenzvermerk im Beobachtungszeitraum. Bezugsgröße sind 1.083.852 Gesellschaften, die vor Beginn des Zeitraums gegründet wurden oder deren Gründungsdatum nicht bekannt ist. Erfasst sind heute noch eingetragene Gesellschaften; die ausgewiesene Veränderung ist deshalb eine Obergrenze.

Zum Report

Die Meldung beruht auf dem Report „Insolvenz und Abwicklung deutscher Gesellschaften“ von hdhgroup Research. Er enthält alle Abbildungen und Tabellen, die Abgrenzung der Grundgesamtheit und einen Abschnitt zu Methode und Grenzen: Insolvenz und Abwicklung deutscher Gesellschaften, auch als PDF.

Über hdhgroup Research. hdhgroup Research untersucht die Verfassung deutscher Kapitalgesellschaften auf der Grundlage des vollständigen eigenen Bestands von mehr als einer Million Gesellschaften. Die Ergebnisse dürfen mit Angabe der Quelle frei verwendet werden.

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