hdhgroup Research · Stand 23. Oktober 2026

Insolvenz und Abwicklung deutscher Gesellschaften

Insolvenzfälle der vergangenen zwölf Monate nach Branche, Region, Alter, Kapital, Rechtsform und Leitung

Erschienen am 23. Oktober 2026 PDF herunterladen Methode und Grenzen Zitierweise

Auf einen Blick

9.301Insolvenzfälle von Juli 2025 bis Juni 2026
+23,5 %gegenüber den zwölf Monaten davor
8,6 ‰Insolvenzquote, Fälle je tausend Gesellschaften
8,1 JahreMedianalter der Gesellschaft im Insolvenzfall
  1. Von Juli 2025 bis Juni 2026 verzeichnen wir 9.301 Insolvenzfälle unter deutschen Kapitalgesellschaften, +23,5 % gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Auf tausend Gesellschaften kamen 8,6 Fälle.
  2. Am stärksten betroffen sind Gastgewerbe (24,2 ‰) sowie Verkehr und Lagerei (17,4 ‰). Die Quote ist dort 7-mal so hoch wie im am wenigsten betroffenen Bereich.
  3. Das höchste Risiko tragen Gesellschaften im Alter von 3 bis 4 Jahren (12,3 ‰). Gesellschaften im Alter von 50 Jahrenn und mehr sind mit 4,2 ‰ am wenigsten gefährdet.
  4. Gesellschaften ohne Prokura sind 2,9-mal so häufig betroffen wie Gesellschaften mit Prokura, allein geleitete Häuser 2,7-mal so häufig wie Häuser mit drei und mehr Personen in der Leitung.
  5. Konzerngebundene Gesellschaften und reine Beteiligungsgesellschaften weisen deutlich niedrigere Quoten auf, Gesellschaften an Anschriften mit hundert und mehr weiteren Gesellschaften deutlich höhere.

Fragestellung und Anlage

Insolvenzstatistiken beantworten in der Regel die Frage, wie viele Verfahren in einem Zeitraum eröffnet wurden. Für die Einschätzung eines Geschäftspartners, eines Kreditnehmers oder eines Marktes ist eine zweite Frage wichtiger: Welche Gesellschaften trifft es, gemessen an ihrem Anteil am Bestand? Eine Branche mit vielen Verfahren kann ein geringes Risiko tragen, wenn sie sehr groß ist, und eine kleine Branche ein hohes.

Dieser Report bezieht deshalb jeden Insolvenzfall auf die Gesellschaften, aus denen er hervorgeht. Er misst die Insolvenzquote als Zahl der Fälle je tausend Gesellschaften und unterscheidet nach Branche, Region, Alter der Gesellschaft, Kapitalausstattung, Rechtsform, Verfassung der Leitung und Einbindung in einen Konzern.

Beobachtungszeitraum sind die zwölf Monate von Juli 2025 bis Juni 2026. Als Bezugsgröße dienen 1.083.852 Gesellschaften, die zu Beginn des Zeitraums bereits bestanden. Verglichen wird mit den zwölf Monaten davor.

Entwicklung

Im Beobachtungszeitraum fallen 9.301 Insolvenzfälle an, gegenüber 7.533 in den zwölf Monaten davor. Die Zahl liegt damit um 23,5 Prozent höher. Die Quartalswerte steigen seit Anfang 2024 nahezu durchgehend; das 2. Quartal 2026 ist mit 2.667 Fällen das stärkste der Reihe.

Der Vergleich mit dem Vorjahreszeitraum ist mit einer Einschränkung zu lesen. Erfasst sind Gesellschaften, die heute noch eingetragen sind. Gesellschaften, deren Verfahren abgeschlossen und die danach gelöscht wurden, fehlen, und ihr Anteil ist für weiter zurückliegende Zeiträume größer. Der ausgewiesene Anstieg ist deshalb eine Obergrenze. Die Richtung der Entwicklung bleibt davon unberührt, ihre Stärke kann geringer sein.

Abbildung 1Insolvenzfälle deutscher Kapitalgesellschaften je Quartal
Q1 24
Q2 24
Q3 24
Q4 24
Q1 25
Q2 25
Q3 25
Q4 25
Q1 26
2.667 Q2 26

Hervorgehoben ist der Beobachtungszeitraum. Gezählt nach dem Datum des jüngsten Insolvenzvermerks, nur heute noch eingetragene Gesellschaften.

Quelle: hdhgroup, Bestand zum Stichtag, eigene Berechnung.

Branchen

Die Insolvenzquote streut zwischen den Wirtschaftsbereichen erheblich. Gastgewerbe führen mit 24,2 ‰, gefolgt von Verkehr und Lagerei (17,4 ‰), Sonstige wirtschaftliche Dienste (14,5 ‰) und Baugewerbe (14,1 ‰). Am Ende der Reihe stehen Energieversorgung und Finanz- und Versicherungsdienste.

Die vorderen Ränge gehören Bereichen mit drei gemeinsamen Merkmalen: geringe Kapitalbindung, hohe Personalkosten im Verhältnis zum Umsatz und eine Nachfrage, die auf Preissteigerungen und Zurückhaltung der Kundschaft unmittelbar reagiert. Am unteren Ende stehen Bereiche mit hoher Kapitalbindung oder überwiegend vermögensverwaltender Tätigkeit, deren Fortbestand in geringerem Maß am laufenden Geschäft hängt.

Abbildung 2Insolvenzquote nach Wirtschaftsbereichen, Fälle je tausend Gesellschaften
Gastgewerbe 24,2 ‰ · 751
Verkehr und Lagerei 17,4 ‰ · 515
Sonstige wirtschaftliche Dienste 14,5 ‰ · 740
Baugewerbe 14,1 ‰ · 1.250
Kunst, Sport und Erholung 12,0 ‰ · 170
Verarbeitendes Gewerbe 11,2 ‰ · 1.092
Handel 9,8 ‰ · 1.397
Sonstige Dienstleistungen 8,7 ‰ · 143
Wasser, Abwasser, Entsorgung 8,2 ‰ · 35
Gesundheits- und Sozialwesen 7,6 ‰ · 203
Erziehung und Unterricht 7,4 ‰ · 100
Verlagswesen, Rundfunk und Medien 6,9 ‰ · 95
Telekommunikation und Informationstechnik 6,3 ‰ · 333
Land- und Forstwirtschaft, Fischerei 6,2 ‰ · 32
Grundstücks- und Wohnungswesen 6,2 ‰ · 679
Wissenschaftliche und technische Dienste 5,5 ‰ · 907
Energieversorgung 4,8 ‰ · 53
Finanz- und Versicherungsdienste 3,4 ‰ · 687

Alle Gesellschaften: 8,6 ‰

Wirtschaftsbereiche nach den Abschnitten der NACE Rev. 2.1, ab 1.000 Gesellschaften. Hinter dem Punkt die Zahl der Fälle.

Quelle: hdhgroup, Bestand zum Stichtag, eigene Berechnung.

Auf der Ebene der Wirtschaftsabteilungen treten die Brennpunkte schärfer hervor. Die zwölf Abteilungen mit der höchsten Quote zeigt Tabelle 1; die Veränderung gegenüber dem Vorjahreszeitraum ist ausgewiesen, wo beide Werte auf mindestens dreißig Fällen beruhen.

Tabelle 1Wirtschaftsabteilungen mit der höchsten Insolvenzquote
WirtschaftsabteilungGesellschaftenFälleje tausendVeränderung
80 Wach- und Sicherheitsdienste sowie Detekteien 3.878 99 25,5 ‰ +62,3 %
56 Gastronomie 23.951 602 25,1 ‰ +40,3 %
78 Vermittlung und Überlassung von Arbeitskräften 8.643 193 22,3 ‰ +20,6 %
55 Beherbergung 7.139 149 20,9 ‰ +170,9 %
49 Landverkehr und Transport in Rohrfernleitungen 16.169 305 18,9 ‰ +28,7 %
92 Spiel-, Wett- und Lotteriewesen 3.053 56 18,3 ‰ +43,6 %
42 Tiefbau 5.520 89 16,1 ‰ +39,1 %
41 Hochbau 14.455 231 16,0 ‰ +12,1 %
81 Gebäudebetreuung; Garten- und Landschaftsbau 16.595 253 15,3 ‰ +28,4 %
52 Lagerei sowie Erbringung von sonstigen Dienstleistungen für den Verkeh... 10.925 160 14,7 ‰ +41,6 %
18 Herstellung von Druckerzeugnissen; Vervielfältigung von bespielten Ton... 3.479 49 14,1 ‰ ±0,0 %
10 Herstellung von Nahrungs- und Futtermitteln 8.081 110 13,6 ‰ +29,4 %

Abteilungen ab 3.000 Gesellschaften.

Quelle: hdhgroup, Bestand zum Stichtag, eigene Berechnung.

Regionen

Unter den Ländern weist Berlin mit 10,0 ‰ die höchste Quote auf, gefolgt von Hessen (9,8 ‰) und Mecklenburg-Vorpommern (9,6 ‰). Am niedrigsten liegt sie in Hamburg (6,1 ‰) und Thüringen (6,7 ‰).

Ein Teil der regionalen Unterschiede erklärt sich aus der Zusammensetzung des Bestands. Wo der Anteil junger und gering kapitalisierter Gesellschaften hoch ist, liegt auch die Quote höher. Über die Länder beträgt die Rangkorrelation zwischen dem Anteil der Unternehmergesellschaften und der Insolvenzquote ρ = 0,45.

Abbildung 3Insolvenzquote nach Ländern, Fälle je tausend Gesellschaften
Berlin 10,0 ‰ · 838
Hessen 9,8 ‰ · 863
Mecklenburg-Vorpommern 9,6 ‰ · 86
Nordrhein-Westfalen 9,5 ‰ · 2.231
Sachsen 9,4 ‰ · 378
Schleswig-Holstein 8,9 ‰ · 203
Sachsen-Anhalt 8,7 ‰ · 158
Bayern 8,5 ‰ · 1.596
Brandenburg 8,5 ‰ · 230
Saarland 7,9 ‰ · 81
Niedersachsen 7,9 ‰ · 683
Rheinland-Pfalz 7,8 ‰ · 309
Baden-Württemberg 7,3 ‰ · 1.153
Bremen 7,2 ‰ · 72
Thüringen 6,7 ‰ · 118
Hamburg 6,1 ‰ · 302

Deutschland insgesamt: 8,6 ‰

Hinter dem Punkt die Zahl der Fälle.

Quelle: hdhgroup, Bestand zum Stichtag, eigene Berechnung.

Alter der Gesellschaft

Die Organisationsforschung beschreibt zwei Muster, nach denen das Ausfallrisiko vom Alter einer Gesellschaft abhängt. Nach der These der Verwundbarkeit des Neuen ist das Risiko unmittelbar nach der Gründung am höchsten und sinkt danach stetig (Stinchcombe 1965). Nach der These der Verwundbarkeit der Jugend ist es in den ersten Jahren gering, weil Gründungskapital und Anfangszuversicht tragen, steigt dann an und fällt erst nach einigen Jahren (Brüderl und Schüssler 1990).

Die Daten folgen dem zweiten Muster. Gesellschaften unter drei Jahren haben eine Quote von 8,3 ‰. Den Höchstwert erreichen Gesellschaften im Alter von 3 bis 4 Jahren mit 12,3 ‰. Danach geht das Risiko deutlich zurück, bis auf 4,2 ‰ bei Gesellschaften im Alter von 50 Jahrenn und mehr.

Im Median ist eine Gesellschaft im Zeitpunkt des Insolvenzfalls 8,1 Jahre alt; die mittlere Hälfte liegt zwischen 4,5 und 15,9 Jahren. 12,9 % der betroffenen Gesellschaften waren jünger als drei Jahre, 18,9 % bestanden zwanzig Jahre und länger.

Abbildung 4Insolvenzquote nach Alter der Gesellschaft zu Beginn des Zeitraums
unter 3 Jahre 8,3 ‰ · 1.523
3 bis 4 Jahre 12,3 ‰ · 1.531
5 bis 9 Jahre 11,9 ‰ · 2.470
10 bis 19 Jahre 8,2 ‰ · 1.952
20 bis 29 Jahre 6,0 ‰ · 834
30 bis 49 Jahre 6,2 ‰ · 774
50 Jahre und älter 4,2 ‰ · 71

Alle Gesellschaften: 8,6 ‰

Quelle: hdhgroup, Bestand zum Stichtag, eigene Berechnung.

Abbildung 5Insolvenzfälle im Beobachtungszeitraum nach Alter der Gesellschaft in vollen Jahren
0
5
10
15
20
25
867 30+

Gesellschaften mit bekanntem Gründungsdatum (9.174 Fälle).

Quelle: hdhgroup, Bestand zum Stichtag, eigene Berechnung.

Kapital und Rechtsform

Das Stammkapital trennt Gesellschaften mit hohem und geringem Risiko nur schwach. Die höchste Quote zeigt die Klasse unter 25.000 € (10,2 ‰), die niedrigste die Klasse 50.000 bis unter 100.000 € (6,4 ‰). Gesellschaften mit genau dem gesetzlichen Mindestkapital von 25.000 Euro bilden mit 604.564 Häusern die größte Gruppe.

Zwischen den Rechtsformen sind die Unterschiede mäßig. Die Gesellschaft mit beschränkter Haftung kommt auf 8,6 ‰, die Unternehmergesellschaft (haftungsbeschränkt) auf 10,3 ‰, Aktiengesellschaften und verwandte Formen auf 9,4 ‰. Die Unternehmergesellschaft liegt damit um 19 Prozent über der Gesellschaft mit beschränkter Haftung. Der Abstand ist kleiner, als ihr Ruf erwarten lässt, und deutlich kleiner als die Unterschiede nach dem Alter der Gesellschaft oder der Verfassung ihrer Leitung.

Tabelle 2Insolvenzquote nach Stammkapital und Rechtsform
GruppeGesellschaftenFälleje tausendVeränderung
Stammkapital unter 25.000 € 130.316 1.326 10,2 ‰ +44,6 %
Stammkapital genau 25.000 € 604.564 5.578 9,2 ‰ +23,5 %
Stammkapital über 25.000 bis unter 50.000 € 128.067 849 6,6 ‰ +9,5 %
Stammkapital 50.000 bis unter 100.000 € 127.702 818 6,4 ‰ +18,4 %
Stammkapital 100.000 bis unter 1 Mio. € 71.135 601 8,5 ‰ +14,7 %
Stammkapital 1 Mio. € und mehr 19.004 126 6,6 ‰ +23,5 %
AG, SE, KGaA 9.978 94 9,4 ‰ +8,0 %
GmbH 880.112 7.566 8,6 ‰ +20,7 %
UG (haftungsbeschränkt) 127.417 1.307 10,3 ‰ +43,8 %

Quelle: hdhgroup, Bestand zum Stichtag, eigene Berechnung.

Leitung und Vertretung

Die deutlichsten Unterschiede zeigen sich in der Verfassung der Leitung. Allein geleitete Gesellschaften haben eine Quote von 9,4 ‰, Gesellschaften mit drei und mehr Personen in der Leitung von 3,5 ‰. Gesellschaften ohne Prokura kommen auf 8,7 ‰, Gesellschaften mit Prokura auf 3,0 ‰.

Beide Merkmale stehen für Größe und Arbeitsteilung. Eine Gesellschaft, die Prokura erteilt, hat eine zweite Führungsebene, und mit ihr in der Regel eine gewisse Größe, eine geordnete Buchführung und mehr als eine Person, die Entwicklungen bemerkt. Das Merkmal ist einfach zu erheben und trennt deutlicher als das Stammkapital.

Auch das Alter der Leitung steht in einem Zusammenhang mit dem Risiko. Ist die älteste Person der Leitung jünger als 30 Jahre, liegt die Quote bei 12,9 ‰, bei 50 bis 59 Jahren bei 7,6 ‰. Darin spiegelt sich vor allem das Alter der Gesellschaften, die junge Personen leiten.

Tabelle 3Insolvenzquote nach Verfassung und Alter der Leitung
GruppeGesellschaftenFälleje tausend
Leitung: eine Person 680.955 6.409 9,4 ‰
Leitung: zwei Personen 228.888 960 4,2 ‰
Leitung: drei und mehr Personen 52.283 181 3,5 ‰
Ohne Prokura 822.370 7.126 8,7 ‰
Mit Prokura 139.756 424 3,0 ‰
Älteste Person der Leitung unter 30 Jahre 25.875 333 12,9 ‰
Älteste Person der Leitung 30 bis 39 Jahre 116.354 1.209 10,4 ‰
Älteste Person der Leitung 40 bis 49 Jahre 207.306 1.921 9,3 ‰
Älteste Person der Leitung 50 bis 59 Jahre 282.716 2.158 7,6 ‰
Älteste Person der Leitung 60 bis 69 Jahre 240.628 1.398 5,8 ‰
Älteste Person der Leitung 70 und älter Jahre 89.042 530 6,0 ‰

Gesellschaften mit verzeichneter Leitung und bekanntem Alter.

Quelle: hdhgroup, Bestand zum Stichtag, eigene Berechnung.

Konzern, Beteiligung und Anschrift

Gesellschaften, die über einen Beherrschungs- oder Gewinnabführungsvertrag in einen Konzern eingebunden sind, haben eine Quote von 5,0 ‰, gegenüber 8,7 ‰ bei allen übrigen. Die Muttergesellschaft trägt ihre Verluste und sichert ihren Fortbestand, solange sie selbst besteht. Reine Beteiligungsgesellschaften kommen auf 3,9 ‰, weil sie kein eigenes operatives Geschäft betreiben.

Ein besonderes Muster zeigt die Anschrift. Gesellschaften, die als einzige unter ihrer Geschäftsanschrift geführt werden, haben eine Quote von 8,2 ‰. Unter Anschriften mit hundert und mehr Gesellschaften steigt sie auf 11,9 ‰. Solche Anschriften gehören häufig Dienstleistern, die Geschäftsräume und Postanschriften vermieten; dort sammeln sich Gesellschaften ohne eigenen Betrieb am Sitz.

Abbildung 6Insolvenzquote nach Zahl der Gesellschaften unter derselben Geschäftsanschrift
allein unter der Anschrift 8,2 ‰ · 5.244
2 bis 4 Gesellschaften 9,3 ‰ · 2.482
5 bis 19 Gesellschaften 8,4 ‰ · 990
20 bis 99 Gesellschaften 8,6 ‰ · 373
100 und mehr Gesellschaften 11,9 ‰ · 212

Alle Gesellschaften: 8,6 ‰

Quelle: hdhgroup, Bestand zum Stichtag, eigene Berechnung.

Abwicklung ohne Insolvenz

Nicht jede Gesellschaft, die ihren Betrieb einstellt, geht durch ein Insolvenzverfahren. Im Bestand befinden sich 77.569 Gesellschaften in Abwicklung, ohne dass eine Insolvenz verzeichnet ist, und 45.929 Gesellschaften mit einem Insolvenzvermerk. Das Verhältnis beider Wege ist ein Maß dafür, wie häufig Inhaber ihre Gesellschaft geordnet beenden.

In Telekommunikation und Informationstechnik kommen auf eine Insolvenz 3,2 Abwicklungen, in Finanz- und Versicherungsdienste 3,1. Am anderen Ende stehen Baugewerbe (0,9) und Verkehr und Lagerei (0,9). Wo wenig Kapital gebunden ist und Verbindlichkeiten gering sind, lässt sich eine Gesellschaft leichter geordnet schließen; wo Lieferanten, Personal und Mieten laufen, endet sie häufiger im Verfahren.

Abbildung 7Abwicklungen ohne Insolvenz je Insolvenzfall nach Wirtschaftsbereichen, Bestand
Telekommunikation und Informationstechnik 3,18
Finanz- und Versicherungsdienste 3,11
Erziehung und Unterricht 2,86
Wissenschaftliche und technische Dienste 2,77
Verlagswesen, Rundfunk und Medien 2,55
Land- und Forstwirtschaft, Fischerei 2,04
Handel 1,94
Grundstücks- und Wohnungswesen 1,91
Sonstige Dienstleistungen 1,86
Energieversorgung 1,84
Bergbau, Steine und Erden 1,82
Kunst, Sport und Erholung 1,57
Wasser, Abwasser, Entsorgung 1,40
Gesundheits- und Sozialwesen 1,35
Sonstige wirtschaftliche Dienste 1,26
Verarbeitendes Gewerbe 1,10
Gastgewerbe 0,94
Verkehr und Lagerei 0,92
Baugewerbe 0,87

Verhältnis aus Gesellschaften in Abwicklung ohne Insolvenzvermerk und Gesellschaften mit Insolvenzvermerk im Bestand zum Stichtag.

Quelle: hdhgroup, Bestand zum Stichtag, eigene Berechnung.

Einordnung

Insolvenzen sind ungleich verteilt, und die Merkmale, an denen sich die Ungleichheit festmachen lässt, sind öffentlich sichtbar. Branche, Alter der Gesellschaft, die Verfassung der Leitung und die Einbindung in einen Konzern trennen Gesellschaften mit hohem und geringem Risiko deutlich. Das Stammkapital und die Rechtsform trennen sie weit weniger, obwohl gerade sie in der Praxis häufig zur Einschätzung herangezogen werden.

Für Kreditversicherer, Factoringgesellschaften und Lieferanten folgt daraus, dass eine erste Einstufung von Geschäftspartnern ohne Bilanzeinsicht möglich ist. Für Verwerter, Auktionshäuser und Erwerber notleidender Gesellschaften zeigen die Zahlen, wo sich Gelegenheiten bündeln. Und für Beraterinnen und Berater, die Sanierungen begleiten, beschreiben sie die Gruppe, in der der Bedarf entsteht, bevor ein Verfahren eröffnet ist.

Methode und Grenzen

Datengrundlage

Grundlage ist der Bestand der hdhgroup an eingetragenen Kapitalgesellschaften mit Sitz in Deutschland, zum Stichtag 23. Oktober 2026. Bezugsgröße sind 1.083.852 Gesellschaften, die vor Beginn des Beobachtungszeitraums gegründet wurden oder deren Gründungsdatum nicht bekannt ist.

Definitionen

  • Insolvenzfall: eine Gesellschaft, deren jüngster Insolvenzvermerk in den Beobachtungszeitraum fällt. Das ist in der Regel die Eröffnung des Verfahrens, kann aber auch die Abweisung mangels Masse oder ein späterer Verfahrensschritt sein. Jede Gesellschaft zählt höchstens einmal.
  • Insolvenzquote: Insolvenzfälle im Beobachtungszeitraum je tausend Gesellschaften der jeweiligen Gruppe.
  • Beobachtungszeitraum: 1. Juli 2025 bis 30. Juni 2026; Vergleichszeitraum 1. Juli 2024 bis 30. Juni 2025.
  • Alter der Gesellschaft: Zeit seit Abschluss des Gesellschaftsvertrags oder Feststellung der Satzung.
  • Abwicklung ohne Insolvenz: Gesellschaft in Liquidation, für die kein Insolvenzvermerk vorliegt.

Grenzen

  • Erfasst sind heute noch eingetragene Gesellschaften. Fälle, deren Gesellschaften bereits gelöscht sind, fehlen. Für den Beobachtungszeitraum ist dieser Effekt gering, für den Vergleichszeitraum größer. Die ausgewiesene Veränderung ist deshalb eine Obergrenze.
  • Die Zuordnung eines Falls zu einem Monat folgt dem jüngsten Insolvenzvermerk. Folgt auf die Eröffnung innerhalb des Zeitraums ein weiterer Verfahrensschritt, zählt der Fall einmal, zum späteren Datum.
  • Die Merkmale der Gesellschaften beschreiben ihren Stand zum Stichtag. Für Leitung und Prokura kann er sich im Verlauf des Verfahrens bereits verändert haben.
  • Zusammenhänge zwischen Merkmalen und Quote sind beschreibend. Mehrere Merkmale hängen miteinander zusammen, etwa das Alter einer Gesellschaft, ihre Rechtsform und ihr Kapital; ein einzelner Unterschied ist nicht als ursächliche Wirkung eines einzelnen Merkmals zu lesen.

Literatur

  • Brüderl, J. und Schüssler, R. (1990): Organizational Mortality: The Liabilities of Newness and Adolescence. Administrative Science Quarterly 35 (3), S. 530 bis 547.
  • Stinchcombe, A. L. (1965): Social Structure and Organizations. In: March, J. G. (Hrsg.): Handbook of Organizations. Chicago, S. 142 bis 193.

Zitierweise

hdhgroup (2026): Insolvenz und Abwicklung deutscher Gesellschaften. Insolvenzfälle der vergangenen zwölf Monate nach Branche, Region, Alter, Kapital, Rechtsform und Leitung. hdhgroup Research, Stand 23. Oktober 2026. https://hdhgroup.de/berichte/insolvenzen

Die Verwendung der Ergebnisse ist mit Angabe der Quelle frei. Für Rückfragen zu Methode und Daten, für Auswertungen nach eigener Abgrenzung und für Presseanfragen erreichen Sie uns über die Kontaktseite.

Den Report als PDF Druckfassung mit Titelblatt, allen Abbildungen und Tabellen sowie Methode und Zitierweise, A4, 391 KB.
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