hdhgroup Research · Stand 23. Oktober 2026

Die Gesellschaften der Energiewende

Solar-, Wind- und Biogasgesellschaften: Gründungswellen, Regionen, Wertschöpfungsstufen und Leitung

Erschienen am 27. Oktober 2026 PDF herunterladen Methode und Grenzen Zitierweise

Auf einen Blick

23.273Kapitalgesellschaften mit Solar-, Wind- oder Biogasbezug
1.910Photovoltaikgesellschaften gegründet im Jahr 2023, so viele wie nie zuvor
25,4 ‰Insolvenzquote der Solarteure in zwölf Monaten, gegenüber 8,6 ‰ im Gesamtbestand
26,7 %der Windgesellschaften unter einer Leitung, die fünf und mehr davon führt
  • 23.273 Kapitalgesellschaften haben Photovoltaik, Windenergie oder Biogas und Biomasse zum Gegenstand oder erzeugen Strom aus erneuerbaren Quellen. Das sind 2,0 % des Bestands. Auf die Photovoltaik entfallen 13.911, auf die Windenergie 4.787, auf Biogas und Biomasse 2.893.
  • Die Gründungen folgen dem Förderrecht. Biogas erlebte seine Welle in den Jahren 2009 bis 2011, die Photovoltaik eine erste um 2010 und eine zweite, weit stärkere in den Jahren 2022 und 2023 mit 1.910 Gründungen allein im Jahr 2023.
  • Der zweiten Solarwelle folgt eine Welle von Insolvenzen. Unter den Gesellschaften, die Solaranlagen errichten, liegt die Quote bei 25,4 ‰, rund 3,0-mal so hoch wie im Gesamtbestand. Die Betreiber von Anlagen bleiben mit 5,3 ‰ darunter.
  • Die Windenergie ist das Feld der Projektgesellschaft. 26,0 % der Windgesellschaften sind Komplementärgesellschaften, 53,2 % haben eine mehrköpfige Leitung, und eine einzelne Person leitet 150 von ihnen.
  • Gemessen am Bestand haben Mecklenburg-Vorpommern, Bremen und Schleswig-Holstein die dichteste Ausstattung. Die Windenergie hat ihr Zentrum an der Küste, die Photovoltaik in Brandenburg und Bayern, Biogas in Niedersachsen und den Agrarregionen des Ostens.

Fragestellung und Anlage

Der Umbau der Stromerzeugung hat in Deutschland innerhalb von zweieinhalb Jahrzehnten eine eigene Unternehmenslandschaft hervorgebracht. Neben die großen Versorger sind Projektierer, Betreibergesellschaften, Handwerksbetriebe, Planungsbüros und Beteiligungsgesellschaften getreten, deren Zahl und Gestalt eng an die Bedingungen der Förderung geknüpft sind. Wie diese Landschaft heute verfasst ist, lässt sich aus Marktstatistiken der installierten Leistung nur mittelbar erschließen.

Dieser Report beschreibt die Energiewende von der Seite der Gesellschaften. Er fragt, wie viele Kapitalgesellschaften Solar-, Wind- und Biogasanlagen planen, errichten, finanzieren und betreiben, wann sie gegründet wurden, wo sie ihren Sitz haben, wie sie verfasst und geleitet sind und wie sich die jüngste Wende im Solarmarkt in ihren Insolvenzen niederschlägt.

Grundgesamtheit sind 23.273 Kapitalgesellschaften im Bestand, deren Gegenstand Photovoltaik, Windenergie oder Biogas und Biomasse nennt oder die der Stromerzeugung aus erneuerbaren Quellen zugeordnet sind. 1.101 Gesellschaften sind in mehr als einer Technik tätig und werden in jeder gezählt.

Bestand und Wertschöpfungsstufen

Die Photovoltaik stellt mit 13.911 Gesellschaften den weitaus größten Teil. Die Windenergie folgt mit 4.787, Biogas und Biomasse mit 2.893. Weitere 2.904 Gesellschaften erzeugen Strom aus erneuerbaren Quellen, ohne eine Technik im Gegenstand zu benennen; es handelt sich überwiegend um Betreibergesellschaften und Stadtwerkstöchter. 870 Gesellschaften verbinden Photovoltaik und Windenergie.

Die drei Techniken unterscheiden sich weniger in der Zahl als in der Stellung ihrer Gesellschaften in der Wertschöpfungskette. In der Photovoltaik überwiegt die Errichtung: 32,7 % der Solargesellschaften gehören dem Baugewerbe an, 13,1 % dem Handel und nur 22,1 % der Energieversorgung. Die Solaranlage auf dem Dach ist ein Handwerksprodukt, und ihr Markt wird von Elektro- und Dachdeckerbetrieben, Solarteuren und Fachhändlern bestimmt.

Wind und Biogas sind dagegen Felder des Betriebs und der Finanzierung. Unter den Windgesellschaften entfallen 31,5 % auf die Energieversorgung, 27,1 % auf Finanz- und Beteiligungsgesellschaften und 25,6 % auf Planung und Ingenieurleistungen. Ein Windpark entsteht über Jahre in einer Folge von Gesellschaften, die Flächen sichern, genehmigen lassen, finanzieren und betreiben; das Bauen selbst übernehmen wenige Hersteller und ihre Dienstleister.

Abbildung 1Gesellschaften der Energiewende nach Wirtschaftsbereichen
Energieversorgung 34,2 % · 7.967
Baugewerbe 20,2 % · 4.704
Wissenschaftliche und technische Dienste 13,3 % · 3.090
Finanz- und Versicherungsdienste 13,1 % · 3.038
Handel 8,7 % · 2.028
Verarbeitendes Gewerbe 3,4 % · 792
Grundstücks- und Wohnungswesen 3,0 % · 708

Anteil an allen Gesellschaften der Energiewende mit bekanntem Wirtschaftsbereich; hinter dem Punkt die Zahl der Gesellschaften.

Quelle: hdhgroup, Bestand zum Stichtag, eigene Berechnung.

Gründungswellen und Förderrecht

Kaum ein Wirtschaftsbereich zeichnet die Geschichte seiner Regulierung so getreu nach wie dieser. Das Erneuerbare-Energien-Gesetz trat am 1. April 2000 in Kraft und sicherte über zwanzig Jahre feste Vergütungen. In jedem Jahr seither entstanden Gesellschaften, deren Zahl mit jeder Novelle sprunghaft stieg oder fiel.

Biogas erlebte seine Welle nach der Novelle von 2004 und vor allem nach der von 2009, die Zuschläge für nachwachsende Rohstoffe und Gülle erhöhte. Die Gründungen stiegen von 57 im Jahr 2004 auf 293 im Jahr 2010. Mit der Novelle von 2014, die den jährlichen Zubau der Biomasse eng begrenzte, fielen sie auf 74 und haben sich seither nicht mehr erholt.

Abbildung 2Gründungen von Gesellschaften mit Biogas und Biomasse im Gegenstand, 2000 bis 2025
2000
2005
293 2010
2015
2020
90 2025

Heute noch eingetragene Gesellschaften nach dem Jahr ihrer Gründung.

Quelle: hdhgroup, Bestand zum Stichtag, eigene Berechnung.

Die Photovoltaik kennt zwei Wellen. Die erste trug die hohe Vergütung der Jahre 2009 bis 2011 mit 564 Gründungen im Jahr 2010; sie brach ab, als der Gesetzgeber die Sätze im Jahr 2012 drastisch senkte. Die zweite setzte im Jahr 2022 ein und übertraf die erste bei weitem. Drei Ursachen fielen zusammen: die steigenden Strompreise nach dem Beginn des Krieges gegen die Ukraine, die Befreiung kleiner Anlagen von Einkommen- und Umsatzsteuer zum Jahresbeginn 2023 und die Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes, die zum selben Zeitpunkt in Kraft trat. Im Jahr 2023 entstanden 1.910 Solargesellschaften, 2,7-mal so viele wie im Jahr 2021. Seither sinkt die Zahl, auf 1.065 im Jahr 2025.

Abbildung 3Gründungen von Gesellschaften mit Photovoltaik im Gegenstand, 2000 bis 2025
2000
2005
2010
2015
2020
1.910
1.065 2025

Heute noch eingetragene Gesellschaften nach dem Jahr ihrer Gründung.

Quelle: hdhgroup, Bestand zum Stichtag, eigene Berechnung.

Die Windenergie verläuft ruhiger. Ihre Gründungen erreichten in den Jahren 2011 bis 2013 einen ersten Höhepunkt mit bis zu 214 im Jahr, gingen nach der Umstellung auf Ausschreibungen im Jahr 2017 zurück und steigen seit 2022 wieder, auf 338 im Jahr 2024. Darin spiegelt sich die Ausweisung zusätzlicher Flächen und das erklärte überragende öffentliche Interesse am Ausbau, das Genehmigungsverfahren seit 2022 erleichtert.

Regionen

Gemessen an der Zahl aller Gesellschaften eines Landes ist die Energiewende im Norden und Osten am dichtesten vertreten. Mecklenburg-Vorpommern führt mit 48,1 Gesellschaften je tausend, gefolgt von Bremen (42,9) und Schleswig-Holstein (39,0). In den Stadtstaaten Hamburg und Berlin sowie in Hessen ist der Anteil am geringsten, weil dort der übrige Bestand groß ist.

Die Techniken haben ihre eigenen Räume. Die Windenergie ist am dichtesten in Bremen und Schleswig-Holstein vertreten, mit 25,4 und 18,0 Gesellschaften je tausend; Bremen ist mit seinen Häfen und Planungsbüros zugleich ein Zentrum der Offshore-Wirtschaft. Außerhalb der großen Städte sind Bremen und Bremerhaven die bedeutendsten Sitzorte. Die Photovoltaik erreicht die höchste Dichte in Mecklenburg-Vorpommern (20,7) und Brandenburg (18,1), in absoluten Zahlen liegt Bayern mit 3.012 Gesellschaften vorn. Biogas schließlich konzentriert sich auf Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein und Sachsen-Anhalt, Regionen mit großer Tierhaltung und Ackerfläche; unter den Sitzorten ragen Dorsten, Münster und Lohne hervor.

Tabelle 1Gesellschaften der Energiewende nach Ländern
LandGesellschaftenje tausendPhotovoltaikWindenergieBiogas
Mecklenburg-Vorpommern 458 48,1 197 144 92
Bremen 456 42,9 131 270 11
Schleswig-Holstein 957 39,0 305 441 181
Sachsen-Anhalt 600 31,4 295 103 121
Brandenburg 889 30,7 525 160 147
Niedersachsen 2.809 30,4 1.170 908 583
Thüringen 450 24,2 281 49 76
Bayern 4.426 22,0 3.012 420 561
Sachsen 918 21,6 558 186 134
Rheinland-Pfalz 834 19,8 529 159 92
Saarland 213 19,8 143 41 14
Baden-Württemberg 3.063 18,3 2.116 373 300
Nordrhein-Westfalen 3.953 15,7 2.527 803 375
Hessen 1.395 14,7 975 204 97
Hamburg 722 13,5 380 231 44
Berlin 1.130 12,4 767 295 65

Je tausend Gesellschaften des jeweiligen Landes. Gesellschaften mit mehreren Techniken erscheinen in jeder Spalte.

Quelle: hdhgroup, Bestand zum Stichtag, eigene Berechnung.

Verfassung der Gesellschaften

Die Gesellschaften der Energiewende sind jung. Ihr mittleres Alter liegt bei 8,0 Jahren gegenüber 10,3 im Gesamtbestand, und 46,3 % von ihnen wurden seit 2020 gegründet. In der Photovoltaik sind es 55,7 %, unter den Biogasgesellschaften nur 18,3 %.

In ihrer Verfassung bilden sich die Geschäftsmodelle ab. Wind- und Biogasgesellschaften sind häufig Komplementärinnen von Kommanditgesellschaften (26,0 % und 23,1 %), weil Anlagen dieser Größe meist in der Form der GmbH & Co. KG errichtet und mit dem Kapital vieler Kommanditisten finanziert werden. Sie haben häufiger eine mehrköpfige Leitung und häufiger Beteiligungen zum Gegenstand. Die Solargesellschaften gleichen dagegen dem übrigen Mittelstand: 13,5 % sind Unternehmergesellschaften, 31,4 % haben mehr als eine Person in der Leitung.

Tabelle 2Verfassung der Gesellschaften nach Technik, im Vergleich zum Gesamtbestand
MerkmalPhotovoltaikWindenergieBiogasGesamtbestand
Gesellschaften 13.911 4.787 2.893 1.158.810
Unternehmergesellschaft 13,5 % 5,5 % 4,9 % 12,8 %
Komplementärgesellschaft 8,0 % 26,0 % 23,1 % 8,2 %
Beteiligungen im Gegenstand 10,1 % 24,3 % 17,7 % 16,1 %
vertraglich an eine Mutter gebunden 2,5 % 3,9 % 4,7 % 2,6 %
Leitung aus mehreren Personen 31,4 % 53,2 % 38,7 % 29,3 %
Stammkapital ab 100.000 € 4,3 % 5,8 % 9,2 % 7,9 %
Alter der Gesellschaft, Median 5,5 J. 11,3 J. 16,1 J. 10,3 J.
gegründet seit 2020 55,7 % 34,6 % 18,3 % 36,7 %

Leitung bezogen auf Gesellschaften im Geschäftsbetrieb mit verzeichneter Leitung, Kapital auf Gesellschaften mit bekanntem Stammkapital.

Quelle: hdhgroup, Bestand zum Stichtag, eigene Berechnung.

Projektgesellschaften und Bündelung der Leitung

Wer einen Wind- oder Solarpark plant, gründet für jedes Vorhaben eine eigene Gesellschaft. Das schirmt die Haftung ab, erleichtert die Finanzierung und erlaubt es, den fertigen Park samt Gesellschaft zu verkaufen. Die Folge ist eine große Zahl von Gesellschaften, die von wenigen Personen geleitet werden.

Am deutlichsten ist das in der Windenergie. 26,7 % der Windgesellschaften haben eine Leitung, in der mindestens eine Person fünf und mehr Windgesellschaften führt, 13,9 % eine, in der sie zehn und mehr führt. 44 Personen leiten jeweils zehn und mehr Windgesellschaften, die größte Zahl in einer Hand beträgt 150. In der Photovoltaik liegt der Anteil gebündelter Leitung bei 9,1 %, unter den Biogasgesellschaften bei 4,1 %, weil Biogasanlagen überwiegend einzeln von landwirtschaftlichen Betrieben getragen werden.

Abbildung 4Anteil der Gesellschaften, deren Leitung eine Person mit fünf und mehr Gesellschaften derselben Technik umfasst
Windenergie 26,7 %
Photovoltaik 9,1 %
Biogas und Biomasse 4,1 %

Bezogen auf Gesellschaften mit wiedererkannter Leitung.

Quelle: hdhgroup, Bestand zum Stichtag, eigene Berechnung.

Auch die Anschrift verrät die Projektgesellschaft. 13,6 % der Windgesellschaften teilen ihre Geschäftsanschrift mit zwanzig und mehr anderen Gesellschaften, im Gesamtbestand sind es 5,8 %. Vertraglich an eine Muttergesellschaft gebunden sind dagegen nur 3,4 % der Gesellschaften der Energiewende. Unter den Muttergesellschaften mit den meisten verzeichneten Verträgen finden sich die großen Versorger und einige mittelständische Projektierer.

Tabelle 3Muttergesellschaften mit den meisten vertraglich gebundenen Gesellschaften der Energiewende
MuttergesellschaftSitzGesellschaften, mindestens
Vattenfall Europe Windkraft GmbH Hamburg 22
Vattenfall Solar GmbH Hamburg 21
EnBW Energie Baden-Württemberg AG Karlsruhe 11
LichtBlick Renewables GmbH Hamburg 6
Sellin erneuerbare Energien GmbH Ötisheim 6
Busmann Umwelt GmbH Osnabrück 5
energielenker Biogas Eins GmbH Greven 5
ILOS Projects Holding GmbH Karlsruhe 4
Biogas Eins GmbH Steinfurt 3
Rossmann EcoPower GmbH Burgwedel 3

Nur Beherrschungs- und Gewinnabführungsverträge mit eindeutig benannter Muttergesellschaft. Konzerne, die ihre Parks über Beteiligungen ohne solchen Vertrag halten, erscheinen nicht.

Quelle: hdhgroup, Bestand zum Stichtag, eigene Berechnung.

Insolvenzen nach dem Solarboom

Der Gründungswelle der Jahre 2022 und 2023 ist eine Welle von Insolvenzen gefolgt. Im Jahr 2023 wurden 27 Insolvenzen von Solargesellschaften verzeichnet, im Jahr 2025 waren es 170. Die Nachfrage nach Dachanlagen ging zurück, als die Strompreise nach der Krise wieder sanken und die Zinsen für die Finanzierung stiegen. Zugleich fielen die Modulpreise, sodass Händler mit Lagerbeständen zu hohen Einstandspreisen Verluste realisierten.

Abbildung 5Insolvenzen von Gesellschaften mit Photovoltaik im Gegenstand je Quartal, 2021 bis zweites Quartal 2026
2021
2022
2023
2024
2025
2026
51

Jüngster Insolvenzvermerk der heute eingetragenen Gesellschaften.

Quelle: hdhgroup, Bestand zum Stichtag, eigene Berechnung.

Die Last verteilt sich ungleich über die Wertschöpfungsstufen. In den zwölf Monaten von Juli 2025 bis Juni 2026 lag die Insolvenzquote der Solargesellschaften des Baugewerbes bei 25,4 ‰ und die des Solarhandels bei 21,2 ‰. Die Betreiber von Solaranlagen, deren Erlöse über zwanzig Jahre vergütet werden, kamen auf 5,3 ‰. Wind und Biogas liegen mit 4,2 ‰ und 4,3 ‰ deutlich unter dem Gesamtbestand (8,6 ‰).

Abbildung 6Insolvenzquote von Juli 2025 bis Juni 2026 nach Technik und Stufe, je tausend Gesellschaften
Photovoltaik, Errichtung 25,4 ‰
Photovoltaik, Handel 21,2 ‰
Photovoltaik, Planung 11,5 ‰
Photovoltaik, Betrieb 5,3 ‰
Windenergie 4,2 ‰
Biogas und Biomasse 4,3 ‰

Gesamtbestand: 8,6 ‰

Quelle: hdhgroup, Bestand zum Stichtag, eigene Berechnung.

Das Muster entspricht dem, was die Organisationsforschung für junge Gesellschaften in einem plötzlich gewachsenen Markt erwartet. Wer in der Welle gegründet hat, verfügt über wenig Kapital, wenig Erfahrung und wenige feste Kunden. Mit 4,6 Jahren im Median sind die Solarteure die jüngste Gruppe dieses Reports, und 60,3 % von ihnen wurden seit 2020 gegründet.

Leitung und Herkunft

Die jüngste Person in der Leitung einer Solargesellschaft ist im Median 47 Jahre alt, in der Windenergie 52 und unter den Biogasgesellschaften 51 Jahre. In 13,0 % der Windgesellschaften und 11,8 % der Biogasgesellschaften hat die gesamte Leitung das 65. Lebensjahr erreicht. Das betrifft vor allem die Bürgerwindparks und Hofanlagen der ersten Generation, deren Vergütung nach zwanzig Jahren ausläuft. Für sie stellen sich Nachfolge, Weiterbetrieb und Ersatz durch leistungsstärkere Anlagen als eine einzige Frage. 431 Biogasgesellschaften, 14,9 %, nennen die Landwirtschaft ausdrücklich im Gegenstand.

4,9 % der Leitungsmandate werden von Personen mit Wohnsitz im Ausland gehalten, etwas mehr als im Gesamtbestand (4,5 %). Die meisten wohnen in Schweiz, Österreich, Niederlande, China und Dänemark. Darin zeigen sich die Herkunftsländer der Projektierer, Hersteller und Investoren, die den deutschen Markt mit eigenen Gesellschaften bearbeiten.

Einordnung

Die Gesellschaften der Energiewende zerfallen in zwei Welten. Die eine ist die Welt des Handwerks und des Handels, in der Solaranlagen verkauft und montiert werden. Sie ist jung, kleinteilig, stark von der Nachfrage privater Haushalte abhängig und erlebt gegenwärtig eine Bereinigung. Die andere ist die Welt der Projekt- und Betreibergesellschaften, in der Wind-, Solar- und Biogasanlagen über Jahrzehnte geplant, finanziert und betrieben werden. Sie ist durch langfristige Vergütungen abgesichert, in wenigen Händen gebündelt und für Außenstehende schwer zu durchschauen.

Für Lieferanten, Finanzierer und Dienstleister folgt daraus eine unterschiedliche Ansprache. Im Solarhandwerk entscheiden Inhaber kleiner, junger Betriebe, deren Bonität genau zu prüfen ist. In Wind und Biogas fällt die Entscheidung häufig bei Projektierern und Beteiligungsgesellschaften, die Dutzende solcher Gesellschaften führen; die Gesellschaft, mit der man den Vertrag schließt, ist oft nur ihr ausführendes Glied. Und in den Anlagen der ersten Generation steht in den kommenden Jahren eine Welle von Übergaben und Erneuerungen an.

Methode und Grenzen

Datengrundlage

Grundlage ist der Bestand der hdhgroup an eingetragenen Kapitalgesellschaften mit Sitz in Deutschland zum Stichtag 23. Oktober 2026, mit 1.158.810 Gesellschaften.

Definitionen

  • Gesellschaft der Energiewende: eine Gesellschaft, deren Gegenstand Photovoltaik, Windenergie oder Biogas und Biomasse nennt, oder eine Gesellschaft der Stromerzeugung aus erneuerbaren Quellen.
  • Technik: nach den Begriffen im Gegenstand, etwa Photovoltaik, Solarpark und Solaranlage, Windenergie, Windpark und Windkraftanlage, Biogas, Biomethan und Biomasse. Eine Gesellschaft kann mehreren Techniken angehören.
  • Wertschöpfungsstufe: der Wirtschaftsbereich der Gesellschaft nach der Wirtschaftszweigsystematik. Errichtung meint das Baugewerbe, Betrieb die Energieversorgung, Planung die wissenschaftlichen und technischen Dienste.
  • Gebündelte Leitung: mindestens eine Person der Leitung führt fünf oder mehr Gesellschaften derselben Technik. Personen werden gesellschaftsübergreifend wiedererkannt, soweit ihre Angaben dies eindeutig erlauben.
  • Insolvenzquote: Gesellschaften mit einem Insolvenzvermerk zwischen dem 1. Juli 2025 und dem 30. Juni 2026 je tausend Gesellschaften, die vor diesem Zeitraum gegründet wurden.

Grenzen

  • Erfasst sind Kapitalgesellschaften. Viele Wind- und Solarparks werden als GmbH & Co. KG geführt; sie erscheinen hier nur über ihre Komplementärgesellschaft. Die Zahl der Projektgesellschaften ist deshalb eine Untergrenze, besonders in der Windenergie.
  • Die Zuordnung zu einer Technik folgt dem eingetragenen Gegenstand. Gesellschaften, die eine Technik betreiben, ohne sie zu nennen, fehlen; Gesellschaften, die sie nur am Rande nennen, sind enthalten.
  • Gründungen sind für heute noch eingetragene Gesellschaften gezählt. Für frühe Jahrgänge fehlen Gesellschaften, die inzwischen gelöscht sind; die frühen Wellen erscheinen deshalb flacher, als sie waren.
  • Die zeitliche Zuordnung zum Förderrecht ist beschreibend. Gründungen haben neben der Vergütung weitere Ursachen, etwa Strompreise, Zinsen und Flächenverfügbarkeit.

Literatur

  • Jacobsson, S. und Lauber, V. (2006): The politics and policy of energy system transformation: explaining the German diffusion of renewable energy technology. Energy Policy 34 (3), S. 256 bis 276.
  • Stinchcombe, A. L. (1965): Social Structure and Organizations. In: March, J. G. (Hrsg.): Handbook of Organizations. Chicago, S. 142 bis 193.
  • Wüstenhagen, R. und Menichetti, E. (2012): Strategic choices for renewable energy investment: Conceptual framework and opportunities for further research. Energy Policy 40, S. 1 bis 10.

Zitierweise

hdhgroup (2026): Die Gesellschaften der Energiewende. Solar-, Wind- und Biogasgesellschaften: Gründungswellen, Regionen, Wertschöpfungsstufen und Leitung. hdhgroup Research, Stand 23. Oktober 2026. https://hdhgroup.de/berichte/energiewende

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Den Report als PDF Druckfassung mit Titelblatt, allen Abbildungen und Tabellen sowie Methode und Zitierweise, A4, 359 KB.
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