Die Zinswende von 2022 hat die Gründung von Projektentwicklern und Bauträgern um fast zwei Drittel einbrechen lassen. Im Jahr 2021 entstanden 1.575 solcher Gesellschaften, im Jahr 2023 nur noch 579. Zugleich hat sich ihre Insolvenzquote mehr als verdreifacht. Das zeigt eine Auswertung von hdhgroup Research zu 116.296 Kapitalgesellschaften des Grundstücks- und Wohnungswesens.
Insgesamt sanken die Gründungen von Immobiliengesellschaften zwischen 2021 und 2023 um 41 %, von 8.844 auf 5.180. Seit 2024 erholen sie sich, im Jahr 2025 waren es 6.884. Die Erholung ist eine des Haltens und Verwaltens: Gesellschaften zur Vermietung eigener Bestände werden fast wieder so häufig gegründet wie vor der Wende, Hausverwaltungen sogar häufiger. Die Projektentwicklung liegt dagegen noch 47 % unter dem Stand von 2021.
Insolvenzen mit einem Jahr Verzögerung
Dem Einbruch der Gründungen folgte der Anstieg der Insolvenzen. Unter den Projektentwicklern stieg die Quote von 2,4 ‰ im Jahr 2021 auf 8,6 ‰ im Jahr 2025, im Handel mit eigenen Grundstücken auf 6,4 ‰. Im zweiten Quartal 2026 wurden 199 Insolvenzen von Immobiliengesellschaften verzeichnet, im zweiten Quartal 2021 waren es 42. Vermietungsgesellschaften mit eigenem Bestand bleiben vergleichsweise stabil, weil ihre Mieteinnahmen auch bei höheren Zinsen fließen.
Am verwundbarsten sind Projektentwickler mit dem gesetzlichen Mindestkapital. Gesellschaften mit genau 25.000 Euro Stammkapital erreichen in den zwölf Monaten bis Juni 2026 eine Quote von 11,1 ‰, solche mit höherem Kapital 3,5 ‰. Besonders gefährdet sind Häuser, die fünf bis neunzehn Jahre bestehen und ihre Projekte vor der Wende zu alten Preisen und Zinsen begonnen haben.
Methode
Erfasst sind die Kapitalgesellschaften des Grundstücks- und Wohnungswesens zum Stichtag 23. Oktober 2026, gegliedert in Vermietung, Kauf und Verkauf, Projektentwicklung, Verwaltung für Dritte und Vermittlung. Die Insolvenzquote eines Jahres bezieht die Fälle dieses Jahres auf die Gesellschaften, die vor seinem Beginn gegründet wurden.
Zum Report
Die Meldung beruht auf dem Report „Immobiliengesellschaften und die Zinswende“ von hdhgroup Research. Er enthält alle Abbildungen und Tabellen, die Abgrenzung der Grundgesamtheit und einen Abschnitt zu Methode und Grenzen: Immobiliengesellschaften und die Zinswende, auch als PDF.
Über hdhgroup Research. hdhgroup Research untersucht die Verfassung deutscher Kapitalgesellschaften auf der Grundlage des vollständigen eigenen Bestands von mehr als einer Million Gesellschaften. Die Ergebnisse dürfen mit Angabe der Quelle frei verwendet werden.
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